Wer wird der neue Surfbürgermeister in München? Eine Wahlkampfhilfe
Am 8.3.2026 wird in München ein neuer Bürgermeister gewählt. Durch die verschwundene Eisbachwelle ist Riversurfen zum Wahlkampfthema Nr. 1 geworden. Gefühlt zumindest. Neben dem Eisbach könnte ein Bürgermeister noch viel mehr für die Münchner Surfer erreichen. Deshalb wollten wir die Kandidaten befragen.
Anstatt den klassischen Weg zu gehen, und uns an die Pressestellen zu wenden, hatten wir bei Instagram ein Video hochgeladen, um das Thema anzusprechen. Dieses Video ging viral und erreichte 80.000 Aufrufe und erhielt 600 Kommentare. Also war unser erstes Ziel erreicht. Die Aufmerksamkeit für das Thema war da. Unsere Fragen waren folgende:
- Wie wollen Sie unbürokratisch die Eisbachwelle retten?
- Werden Sie einen Antrag in den Stadtrat einbringen die Floßländen Welle ganzjährig mit Wasser zu versorgen?
- Wieviel Geld werden Sie als Bürgermeister für den Flusswellenneubau an Steuermitteln bereitstellen?
Kurz darauf schrieb uns auch der Kandidat der CSU an. Das ist die größte Oppositionspartei im Rathaus. Er bekundete Interesse die Fragen zu beantworten. Leider blieb er uns aber die Antworten schuldig. Genauso der amtierende Oberbürgermeister. Diesen hatten wir gebeten uns die Fragen zu beantworten.
Kein anderer Kandidat hatte sich bei uns gemeldet. Nur zwei Bewerber um Stadtratsmandate. Einer von der CSU und einer von der FDP.
An dieser Stelle hatten wir eigentlich schon aufgegeben und uns damit abgefunden, bei diesem Thema ignoriert zu werden. Dann veröffentlichte eine Woche vor der Wahl der Münchner Surfverein IGSM einen Fragenkatalog auf seiner Website. Darauf antworteten die Kandidaten. Das Ganze ist sehr lang, weil auch kleinere Parteien geantwortet hatten. Deshalb beschränken wir uns im Folgenden bei unserer Einordnung der Antworten auf die drei aussichtsreichsten Kandidaten.
Die OB-Kandidaten und das Surfen in München: Einordnung der Reaktionen
Für die Einordnung der Antworten auf die Fragen der IGSM nahmen wir die KI zu Hilfe. Die Analyse der Reaktionen basiert auf der Veröffentlichung der IGSM und den öffentlichen Statements der Kandidaten im Vorfeld der Wahl am 8. März 2026.
1. Wer wird in den Antworten am konkretesten?
Dieter Reiter (SPD): Er liefert die höchste Umsetzungs-Konkretheit. Als amtierender OB verweist er auf den bereits initiierten „Eisbach-Gipfel“ (Januar 2026) und das konkrete Eckpunktepapier zur technischen Rettung der E1-Welle. Er nennt Zahlen (Wasserdurchfluss) und bestehende Verträge (Floßlände).
Dominik Krause (Grüne): Er ist am konkretesten bei der Infrastruktur. Er fordert spezifische Details wie Umkleiden, Lichtanlagen und die Integration von Surfsport in die Stadtplanung.
Clemens Baumgärtner (CSU): Er wird konkret bei der wirtschaftlichen Bedeutung. Sein Fokus liegt auf der Vermarktung Münchens als Surf-Hauptstadt und der Entschlackung von Genehmigungsverfahren.
2. Wer verspricht am meisten?
Dieter Reiter (SPD): Verspricht das Dringlichkeits-Paket. Sein Hauptversprechen ist die sofortige Wiederherstellung der Surfbarbeit am Eisbach durch einen Pilotversuch und die langfristige Sicherung der Floßlände.
Dominik Krause (Grüne): Verspricht quantitativ das Zukunftspaket. Er spricht von einer „Professionalisierung“ der Szene, dem Ausbau der Infrastruktur und der Prüfung völlig neuer Wellenstandorte an der Isar.
Clemens Baumgärtner (CSU): Verspricht das Freiheits-Paket. Er gibt das Versprechen ab, die „Bürokratie-Fesseln“ der Stadtverwaltung zu lösen, damit Vereine wie die IGSM autonomer agieren können.
3. Wer verschleiert möglicherweise etwas?
Dieter Reiter (“Wahlkampf-Taktik”): Kritiker werfen ihm vor, Probleme (wie die Haftungsfrage am Eisbach) jahrelang als „unlösbar“ deklariert zu haben, um pünktlich zum Wahlkampf das „Unmögliche“ doch möglich zu machen. Er verschleiert teils, dass die Haftung aktuell immer noch bei den Vereinen hängen bleibt.
Dominik Krause (“Interessenkonflikt”): Er verschleiert die potenzielle Kollision zwischen Surfsport und strengem Naturschutz. Grüne Politik priorisiert oft die Fischdurchgängigkeit, was technische Wellenbauten massiv erschweren oder verhindern kann.
Clemens Baumgärtner (“Zuständigkeit”): Er verspricht eine Radikal-Kur gegen Bürokratie, verschweigt aber, dass viele Regeln (Wasserrecht, Denkmalschutz) auf Landes- oder Staatsebene liegen, auf die ein OB nur bedingt Zugriff hat.
4. Wahlempfehlung für das „Surfer-Maximum“
Für die schnelle Welle (“Eisbach-Retter”): Wähle Dieter Reiter. Er hat die Hebel der Verwaltung bereits in der Hand und den Projektversuch für die E1 unterschrieben. Er ist die Wahl für „Surfen ab morgen“.
Für die beste Infrastruktur (“Modernisierer”): Wähle Dominik Krause. Wenn du Duschen, Licht und eine professionelle Einbettung in den Sportpark München willst, bietet er das visionärste Programm.
Für maximale Freiheit (“Entbürokratisierer”): Wähle Clemens Baumgärtner. Er ist der Richtige, wenn du willst, dass die Stadt den Surfern weniger Vorschriften macht und den Sport als Wirtschaftsfaktor fördert.

Wer wird München zukünftig regieren?
Wer wird am Konkretesten?
Wenn man den aktuellen Text der IGSM zur Kommunalwahl 2026 betrachtet, lässt sich eine klare Rangfolge in der Konkretheit feststellen. In diesem Wahlkampf drehen sich die Fragen vor allem um die Krise an der Eisbachwelle (E1), die nach der Bachauskehr 2025 nicht mehr surfbar war, und die dauerhafte Sicherung der Floßlände. Hier ist die Analyse, wer am konkretesten wird:
Dieter Reiter (SPD) – Der “Umsetzungs-Konkrete”
Wie schon 2020 nutzt Reiter seinen Amtsbonus. Er wird im aktuellen Kontext am konkretesten, weil er bereits vollendete Tatsachen und unterschriebene Verträge vorweisen kann:
- Eisbachwelle: Er hat im Januar 2026 einen konkreten Projektversuch zur Wiederherstellung der Welle vereinbart. Er nennt klare Bedingungen: Die Stadt übernimmt die statische Untersuchung, während die IGSM die Haftung trägt.
- Floßlände: Hier verweist er auf den öffentlich-rechtlichen Vertrag von 2024, der die Surfzeiten dauerhaft gesichert hat. Seine Antworten basieren nicht auf “Wir sollten”, sondern auf “Wir haben/werden tun”.
Dominik Krause (Grüne) – Der “Struktur-Konkrete”
Dominik Krause wird vor allem bei neuen Projekten und Rahmenbedingungen konkret:
- Infrastruktur: Er fordert sehr spezifisch eine “Professionalisierung der Surf-Infrastruktur” (z.B. Umkleiden, Lichtanlagen).
- Ökologie: Er verbindet das Surfen am konkretesten mit dem Thema Gewässerschutz und Renaturierung der Isar, bleibt aber bei der technischen Lösung für die E1 etwas vager als Reiter, da er die Verantwortung primär beim Baureferat sieht.
Clemens Baumgärtner (CSU) – Der “Wirtschafts-Konkrete”
Baumgärtner nähert sich dem Thema über die Bedeutung für den Standort München:
- Tourismus & Marketing: Er wird konkret bei der Frage, wie München als “Surf-Hauptstadt” vermarktet werden soll.
- Bürokratie: Sein konkretestes Versprechen ist die “Entschlackung der Genehmigungsverfahren” für Vereine wie die IGSM. Er bleibt jedoch bei den wasserbaulichen Details (wie Kubikmeter-Zahlen) hinter Reiter zurück.
Fazit: Wer ist der Gewinner an Konkretheit?
Am konkretesten ist Dieter Reiter. Das liegt vor allem daran, dass er im Januar 2026 (kurz vor der Wahl) den “Eisbach-Kompromiss” ausgehandelt hat. Während andere Kandidaten darüber sprechen, was man tun könnte, liefert er im Text der IGSM bereits das fertige Eckpunktepapier für den Projektversuch.
Die “München-Liste” (Dirk Höpner) und kleinere Parteien
Diese werden oft noch deutlicher in ihren Forderungen (z.B. “Surfen überall erlauben”), sind aber in der darauffolgenden Umsetzungserklärung (Haftung, Kosten, Statik) meist weniger konkret als die drei Hauptkandidaten.
Zukunftsvisionen
Wenn man die Versprechen der Kandidaten für die Wahl 2026 vergleicht, gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen konkreten Zusagen (was jetzt schon passiert) und weitreichenden Zukunftsvisionen (was alles noch kommen könnte). Wer am meisten verspricht – und was genau:
Dieter Reiter (SPD) – Verspricht die “Sicherstellung”
Reiter ist in der Position, dass er bereits im Januar 2026 den Eisbach-Kompromiss geschlossen hat. Er verspricht am meisten im Hinblick auf die unmittelbare Umsetzung:
- Eisbach (E1): Er verspricht, dass die Stadt die statische und technische Prüfung übernimmt, damit die Welle dauerhaft wiederhergestellt wird.
- Haftung: Er stellt in Aussicht, dass die Stadt nach einem erfolgreichen Pilotversuch die volle Verantwortung (und damit das Risiko) für den Betrieb übernehmen könnte – ein riesiges Versprechen, da die Haftung bisher das Hauptproblem war.
Dominik Krause (Grüne) – Verspricht die “Professionalisierung”
Krause geht über die bloße Reparatur bestehender Wellen hinaus. Er verspricht am meisten bei der Infrastruktur drumherum:
- Surf-Infrastruktur: Er verspricht den Ausbau von Umkleiden, Lichtanlagen für das Surfen am Abend und eine bessere Einbindung in das Stadtkonzept.
- Neue Wellen: Er ist derjenige, der am offensten für die Prüfung weiterer Surf-Standorte in München (z. B. an anderen Isar-Schwellen) spricht, sofern diese ökologisch verträglich sind.
Clemens Baumgärtner (CSU) – Verspricht die “Entbürokratisierung”
Baumgärtner verspricht am meisten, wenn es um die Freiheit der Surfer geht:
- Weniger Regeln: Sein Kernversprechen ist die “Entschlackung”. Er will, dass die IGSM und andere Vereine weniger mit dem KVR und anderen Ämtern kämpfen müssen.
- Marketing-Boost: Er verspricht, das Surfen noch stärker als internationales Aushängeschild für den Wirtschaftsstandort München zu nutzen, was indirekt mehr Fördermittel bedeuten könnte.
Fazit: Wer am meisten “verspricht”
- Quantitativ (Zukunftsvisionen): Hier verspricht Dominik Krause am meisten. Sein Ansatz ist es, München zu einer echten “Surf-Stadt” mit professioneller Infrastruktur und potenziell neuen Wellen zu machen.
- Qualitativ (Direkte Hilfe): Hier verspricht Dieter Reiter am meisten, da er das existenzielle Problem der Eisbach-Surfer (die kaputte Welle) durch einen offiziellen Projektversuch bereits jetzt löst.
- Wichtiger Hinweis: Die kleineren Parteien und Listen (wie die München-Liste) versprechen oft sogar “Surfen auf allen Isar-Wellen”, allerdings meist ohne einen konkreten Plan zur technischen Umsetzung oder Finanzierung.

Was wurde am Grund der Eisbachwelle verändert?
Faktencheck
Wir von Riverbreak haben uns aber nicht nur auf die KI verlassen. Deshalb hier ein Faktencheck zu einer Aussage von Dominik Krause , die wir nicht nachvollziehen konnten:
Dominik Krause (Die Grünen) sagt im Interview mit der IGSM :
„Ich kann das Anliegen der Surfer*innen gut nachvollziehen, sich hier möglichst frei und unreguliert bewegen zu wollen. Gleichzeitig muss aber auch die Sicherheit der Surfer*innen und von potentiell benötigten Rettungskräften im Einsatz berücksichtigt werden.
Die Staatsanwaltschaft hat nach dem tödlichen Surfunfall unmissverständlich klargemacht, dass eine Rückkehr zur Allgemeinverfügung von 2010 für uns als Stadt rechtlich nicht mehr möglich sein wird.“
Entweder er ist sehr schlecht informiert, oder er verzerrt etwas. Beides ist nicht akzeptabel. Um dies zu prüfen, wurde eine Anfrage von Dritten an die Staatsanwaltschaft geschrieben. Deren Antwort wurde uns als Surfmagazin zugespielt. Unserem Verständnis nach hat die Staatsanwaltschaft der Stadt München keine konkreten Vorgaben, Hinweise oder Empfehlungen zur Gefahrenabwehr geäußert. Auch hatten wir die Staatsanwaltschaft so verstanden, dass die Entscheidung über eine etwaige Wiedereröffnung der Eisbachwelle allein der Stadt München obliegt. So wie wir die Antwort der Staatsanwaltschaft interpretieren, sieht die Staatsanwaltschaft in dieser Frage mangels Zuständigkeit bei sich keine Notwendigkeit der Stadt München etwas zu empfehlen.
Daraus könnte man herauslesen, dass die Verschärfungen nicht von der Staatsanwaltschaft gefordert wurden, sondern mutmaßlich auf den Rat eines externen Gutachters gewachsen sind, den das RKU trotz des Statements der Staatsanwaltschaft beauftragt hat.
Beim Lesen der Antworten aller Kandidaten auf der IGSM Hompage hatten wir das Gefühl, dass uns alle Politiker nach dem Mund reden. Deshalb bleibt nur ein Bauchgefühl, wer am motiviertesten ist. Da der CSU-Kandidat für das Bürgermeisteramt und der CSU-Kandidat für ein Stadtratsmandat von sich aus auf uns zukamen, und wir diesen nicht hinterherlaufen mussten, genießen beide einen gewissen Vertrauensvorschuss. Theoretisch stellt das linksdenkende Surfer vor ein Problem, wenn man eine Wahlempfehlung für Konservative aussprechen müssen.
Vielleicht wäre aus pragmatischer Sicht diese Wahlkampfempfehlung sinnvoll? In der Kommunalpolitik werden keine Bundesgesetzte gemacht. Dort wird nicht über Migration, Außenpolitik und Vermögensverteilung entschieden. In der Kommunalpolitik geht es oft um pragmatische Lösungen, die das Leben der Bürger erleichtern.
Und wenn euch die Antwort eines Kandidaten einer kleineren Partei gefällt, dann gebt diesem eure Stimme. In der Kommunalpolitik gibt es keine 5% Hürde. Also gibt es auch keine verschenkten Stimmen.
Und euer Leben besteht nicht nur aus Surfen. Wir als Surfmagazin können die Antworten der Politiker vor allem in Bezug auf das Themenfeld “Flusssurfen” einordnen. Darin sind wir Experten. Ob der Kandidat, der am meisten für Surfer tun wird, auch in anderen Punkten eure Wahl ist, können wir nicht beurteilen.
Wichtig ist uns nur, dass ihr wählen geht. Nutzt eure Möglichkeit euch zu beteiligen. Die nächste Möglichkeit ist erst wieder in 6 Jahren.









